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September 2026

Konfiguration statt Code

Die Ausgangslage

Ein Muster, das mir in fast jedem Projekt begegnet: Für eine wiederkehrende Aufgabe existiert ein Skript. Dann kommt ein zweiter Anwendungsfall dazu, und statt das Skript zu verallgemeinern, wird es kopiert und angepasst. Nach einigen Jahren liegen fünf Varianten nebeneinander, die zu achtzig Prozent identisch sind.

Der Aufwand entsteht nicht beim Schreiben, sondern danach. Jede Korrektur muss fünfmal nachgezogen werden, und beim vierten Mal wird eine vergessen.

Der Umbau

Die Lösung ist unspektakulär und trotzdem wirksam: Alles, was sich zwischen den Varianten unterscheidet, wandert in eine Konfigurationsdatei. Im Code bleibt nur, was für alle gleich ist.

In einem Projekt für einen Großhändler waren das fünf Skripte für den Zugriff auf verschiedene Online-Kataloge. Unterschiedlich waren Adresse, Zugangsdaten, die Struktur der abgerufenen Daten und das Zielverzeichnis. Gleich waren Anmeldung, Fehlerbehandlung, Protokollierung und Wiederholungslogik.

Nach dem Umbau gab es einen Starter und eine INI-Datei je Katalog.

Warum INI und nicht JSON

Für Konfigurationen, die von der Fachabteilung gepflegt werden, ist INI oft die bessere Wahl. Nicht weil das Format moderner wäre, sondern weil eine fehlende Klammer nicht die ganze Datei unbrauchbar macht und weil jeder, der einmal eine Windows-Einstellung von Hand geändert hat, den Aufbau versteht.

Bei Konfigurationen, die nur Entwickler anfassen, gilt das Gegenteil. Dort ist JSON mit Schema die bessere Wahl.

Was der Kunde davon hat

Der sichtbare Effekt war ein um rund achtzig Prozent geringerer Wartungsaufwand. Der wichtigere Effekt war ein anderer: Ein weiterer Katalog ließ sich anbinden, ohne dass ich gerufen werden musste. Die Fachabteilung legt eine Datei an und trägt vier Werte ein.

Genau das ist das Ziel. Eine Anwendung, die nur der Entwickler erweitern kann, erzeugt bei jedem neuen Anwendungsfall Kosten. Eine konfigurierbare Anwendung erzeugt sie einmal.

Wann sich der Umbau nicht lohnt

Bei zwei Varianten fast nie. Der Umbau kostet Zeit, und die Konfigurationsschicht selbst will gepflegt und dokumentiert werden. Ab drei Varianten rechnet es sich meist, ab fünf immer.

Wichtig ist auch, was nicht in die Konfiguration gehört: Ablauflogik. Wer anfängt, Bedingungen und Verzweigungen in INI-Dateien abzubilden, baut eine Programmiersprache nach — nur ohne Werkzeuge und ohne Fehlermeldungen.

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